Nach 60 Jahren stellt die Augsburger Aktienbank ihren Betrieb ein

Die Augsburger Aktienbank war die erste Direktbank Deutschlands. Rund 130 Beschäftigte verlieren ihre Arbeit, Kundinnen und Kunden müssen sich eine neue Bank suchen.

Nach 60 Jahren stellt die Augsburger Aktienbank ihren Betrieb ein

Augsburger Allgemeine, 10.11.21 - VON MICHAEL KERLER

Stück für Stück sind in den vergangenen Monaten bereits zentrale Bereiche verkauft worden. Jetzt steht die Augsburger Aktienbank endgültig vor dem Aus. Das Institut wird zum Ende des Jahres 2022 seinen Betrieb einstellen. Dies ist aus Unternehmenskreisen zu erfahren. Betroffen davon sind rund 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ihren Arbeitsplatz verlieren. Die zahlreichen Kundinnen und Kunden, die dort Giro- oder Tagesgeldkonten haben, brauchen eine neue Bank. Das Institut gilt als erste Direktbank Deutschlands und blickt auf eine fast 60-jährige Geschichte zurück.

Die Augsburger Aktienbank gehört zu 100 Prozent der Versicherungsgruppe LVM aus Münster. Diese hatte vor einiger Zeit beschlossen, sich vom Bankgeschäft zu trennen und sich auf das Kerngeschäft als Versicherer zu konzentrieren. Die regulatorischen Vorgaben seien aus Unternehmenskreisen zu hoch, um das Bankgeschäft auf Dauer rentabel zu betreiben, hieß es seinerzeit. Anfangs hatte die Versicherungsgruppe den Angaben zufolge einen Käufer für die Augsburger Aktienbank gesucht. Als dies nicht gelang, entschloss man sich, die Bank in Teilen zu verkaufen.

Augsburger Aktienbank: Viele Bereiche sind verkauft worden

Bereits Mitte 2020 gab die Augsburger Aktienbank bekannt, ihr Wertpapiergeschäft an den Wertpapier-Spezialisten Ebase in Aschheim bei München zu verkaufen. Wertpapierbestände von rund 20 Milliarden Euro und 160 Mitarbeiter wechselten von der Wertach an die Isar. Zum Jahreswechsel 2020/2021 erwarben die bisherigen Geschäftsführer die AAB Assets Services und führen den Investment-Spezialisten in Eigenregie fort. Im Februar 2021 verkaufte die Aktienbank dann ihr Leasing-Geschäft an PEAC Finance in Hamburg. In den Sommermonaten hat die stückweise Aufteilung der Bank nochmals an Tempo zugelegt: Das Baufinanzierungsgeschäft nahm die Muttergesellschaft LVM in ihre eigenen Bücher, zehn Mitarbeiter im Vertrieb machten sich mit dem Fuggerstadt Beratungscenter selbstständig. Im Oktober war schließlich der Übergang der Wertpapierdepots an die Ebase in München unter Dach und Fach.

Übrig blieb eine Rest-Bank, die noch Giro- und Tagesgeldkonten führte und ein Geschäft mit Konsumentenkrediten betrieb. Von ehemals rund 500 Beschäftigten ist die Bank auf rund 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geschrumpft.

Für das restliche Geschäft sei, so ist aus Unternehmenskreisen zu erfahren, kein Käufer mehr gefunden worden. Der letzte Interessent sei Anfang Oktober abgesprungen. In Nullzinszeiten, in denen Banken mit Strafzinsen hohe Kundeneinlagen abwehren, ist das Interesse am Geschäft mit Konten offenbar weiter gesunken.

LVM-Versicherung fällte als Alleinaktionär den Beschluss

In der Aufsichtsratssitzung am 26. Oktober ist den Informationen zufolge der Beschluss gefallen, den Betrieb der Augsburger Aktienbank zum Jahresende 2022 einzustellen. Zuvor haben die Teilnehmenden offenbar abgewogen, ob es andere Lösungen gäbe, darunter die Fortführung für einige weitere Jahre, um dann einen Käufer zu finden. Angesichts der anhaltenden Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank sei dies als unwahrscheinlich erschienen. Die Einschätzung am Ende: Die Rest-Bank sei ökonomisch nicht mehr sinnvoll zu betreiben.

Sozialplan für die verbliebenen 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Die Beschäftigten haben die harte Nachricht auf einer Informationsveranstaltung am Dienstagabend in Augsburg erfahren. Bis Ende Mai 2022 sollen Informationen unserer Redaktion zufolge betriebsbedingte Kündigungen noch ausgeschlossen sein. Danach aber sollen alle, die die Bank nicht selbst verlassen haben und in der zweiten Jahreshälfte 2022 ausscheiden, ihre Kündigung erhalten. Ziel sei es, im ersten Quartal 2022 einen Sozialplan für die Beschäftigten zu verhandeln, heißt es aus dem Unternehmen. Details sind bisher nicht bekannt. Der Sozialplan muss mit dem Betriebsrat der Bank ausgehandelt werden, dort stehen Neuwahlen an.

Die Augsburger Aktienbank startete im Januar 1963 ihren Betrieb, damals noch unter dem Namen Absatz-Kreditbank. Im Jahr 1986 kam die Umwandlung zur Aktiengesellschaft, die Namensänderung in Augsburger Aktienbank und die Eröffnung des Schalterbetriebs in Augsburg. Das Unternehmen gehörte bis 1988 der BMW-Eigentümerfamilie Quandt. Stückweise kaufte in den Folgejahren die Allianz das Institut. Nachdem die Allianz 2001 die Dresdner Bank übernahm, trennte sie sich von der Augsburger Tochter. Seit 2002 ist die LVM-Versicherung Eigentümerin

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